Pilot im Fokus #12

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Pilot im Fokus #12

Beitrag  Dalli am Fr 20 Jan 2017, 12:20

Hallo liebe Community. Ein neues Jahr und ein neuer (erster) Pilot im Fokus für 2017.


Die Feiertagsflaute ist vorbei und wir starten durch mit jemanden der in den Nebenmetiers immer wieder auffällt. (Star Wars)- Filme, Comics usw...
ER hat (fast) alles gesehen, gelesen und zu fast allem eine Meinung. Die er immer sachlich und charmant formuliert. Auch in kontroversen Themen, wie Cheaterdiskussionen oder Regel- und Listendisskusionen behält er einen kühlen Kopf und kommt oft noch mit einer ganz anderen Sichweise herran.

Wir presentieren euch the magical: John Tenzer! *applaus* applaus*



1.Hallo John Tenzer. Als erstes erzähl doch mal wie dein richtiger Name ist und wo du her kommst. Stell dich mal vor.

Hallo,

na, dann legen wir mal los:

Im realen Leben heiße ich Gunnar und bin vor 'ner Weile zum wiederholten Mal 25 geworden. Das passiert seit'ner Weile ziemlich häufig. (Hmmmm...!)

Ursprünglich war ich die Beta-Version eines deutsch brasilianischen Joint-Venture-Produkts, welches in Bremen/Bremen vom Fließband in die freie Marktwirtschaft geworfen wurde.

Eine Weile hatte ich danach für'n Medizin-Studium in Hamburg verbracht, bevor es mich über Umwege nun nach Noord-Holland in den Niederlanden getrieben hat.

Abseits von den klassischen GW-Stand Alone Brettspielen, wie Talisman, Der Hexenmeister vom Flammenden Berg, Hero Quest, Starquest und Drachenhort, begann meine Tabletop-Karriere vor rund 15 Jahren mit GW 40k und einer großen bemalten Armee Necrons, der dann Hexenjäger folgten. („Those where the days....!“)
Nach 2 unnötigen Editionswechseln dieses Systems hatte ich dann die Faxen mit der Verkaufspolitik GWs dicke und schloss mich meinem Kumpel an, um auf das System Warmachine/Hordes zu wechseln.
Das System war schon recht fett, aber sehr wartungsintensiv, um es effektiv spielen zu können. Dazu kam dann noch das Auseinanderbrechen der Spielgruppe und mein Umzug ins Ausland in eine andere Gruppe, in der INFINITY gerade populär war.  Dies führte zu einem neuen System-Wechsel.
Der letzte Umzug verpflanzte mich dann in eine absolute GW/X-Wing-Szene, sodass ich dann letztlich auf X-Wing aufmerksam wurde, und mich für eine Weile hierin investierte.  

Durch die Zeit hinweg ist das Spielen aber immer sekundärer, und das Bemalen von Figuren immer mehr zum Hauptaspekt meines Tabletop-Hobbies geworden.

Da sich aber nunmehr eine sehr ansehnliche Sammlung bemalter Miniaturen angesammelt hat, die genug Variationen im Listenbau ermöglichen, tritt auch der Fokus hier wieder mehr zurück und wird hoffentlich wieder durch eher ungezwungenes Spielen ersetzt werden können...!

2. Wie bist du auf den Nickname gekommen? Was hat er und deine Profilinformationen mit der Gargoyles-Serie zu tun? Erzähl mal etwas darüber.

Der Nickname hat eine lange Geschichte. „Tenzer“ war der Name eines 40k Space Marines aus dem alten Electronic Arts Computerspiel "StarQuest", den ich später irgendwann mal aus dem Unterbewußtsein ausgegraben hatte, um damit meinen ersten richtigen Shadowrun Charakter auszustatten. Weil dieser seiner Vorlage nach eine Art kultivierten Geheimagenten darstellen sollte, suchte ich nach einem ähnlich männlich klingendem Namen, wie James Bond. Und raus kam eben „John Tenzer“...!
Daraus wurde dann für einige meiner Freunde  das Alias für meinen realen Namen.

GARGOYLES war eine der sehr wenigen Zeichentrick-Serien der 80/90, in der ich mich als junger Zuschauer auch wirklich ernst genommen gefühlt hatte.
Action, Drama, Tragik, Gefahr, Verrat,reale Liebe, Mord und Totschlag, Rassenhass, Shakespeare, vielschichtige Charaktere. Diese Serie war und ist eine richtige erzählerische Perle.

Und David Xanathos hieraus einfach nur ein erfrischend gut geschriebener Antagonist:

Amoralisch (nicht bösartig!), manipulativ, hochintelligent, charismatisch, reich und gut aussehend, professionell, sehr ausgeglichen.

Mein persönliches Ideal im gewissen Sinne.    

3. Was ist dein Lieblingsgericht? Wohin gehst immer in den Urlaub? Gehts du auch mal raus zum Schneeman bauen? Wir wollen ALLES wissen! Erzähl mal...

Dank meiner Frau und ihrer Familie werde ich konstant mit ausgezeichneter Kost bombardiert:

Thailändischer Salat mit gegrilltem Rindfleisch. (Nua Nam Tok).

Klebereis mit Mango und Kokos-Milch.

Gegrillter Tilapia mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Knoblauch auf Eisbergsalat mit Süßsaurer Erdnusssauce.

Und, und, und...!

Aufgrund der familären Bindungen geht’s dann auch gewöhnlich für einen langfristigen Urlaub in diese Richtung.

Schneemanbauen gehört momentan weniger zu meinen Freizeitbeschäftigungen. Das liegt eher an der sehr regenlastigen Lokalität vor Ort, denn mangelndem Interesse.

Hier drückt man dann um diese Jahreszeit eher aus Langeweile frischen Kuhdung in Form, bevor man mit seinem Lieblingsschaf ein Date hat.  

4. Deine Beitrage halte ich immer für sehr durchdacht und ausführlich. Ich denke da geht es vieleicht anderen auch so. Bist du beruflich auch irgendwie schreiberlingmäßig unterwegs, oder was treibt dich an das so zu machen wie du es machst?

Schreiben ist eine meiner kleinen Leidenschaften. Aber keine, die ich bisher in Münze zu pressen plante.  

Vielleicht kommt das noch, wenn ich alt genug bin, dem Ganzen ein verbindendes Motiv für ein Buch zu geben. Wer weiß?

Allenthalben hilft es mir, meinen Kopf zu leeren, der sonst bis zum Platzen mit 'ner Menge unwichtiger Informationen gefüllt wäre. Es ist also in erster Linie ein Mittel zur Selbstreflexion. Reviews und Forenbeiträge sind dann eher der Kollateralschaden.

Ich bevorzuge das Schreiben von Beiträgen gegenüber direkter Konversation.

Einfach, weil man hier noch ein zwei Mal über den Kommentar drüber lesen kann, bevor man den auf die Umwelt abschießt. Natürlich kann man dabei nicht 100prozentig sicherstellen, dass das, was man da abgegeben hat, auch der urspünglich beabsichtigten Aussage entsprechend aufgenommen wird. Aber zumindest meinen Gefühl nach hat man so den impulsiven Faktor auf der eigenen Seite etwas leichter unter Kontrolle.  
Ich bin zwar in direkten, realen Gesprächen mittlerweile kontrollierter als zu meinen Jugendzeiten geworden, merke aber dann doch ab und an, dass ich mir manchmal sehr schwer auf die Zunge beißen muss, um anderer Leute wabernde Meinungs-Blase einfach mal im Raum stehen zu lassen, anstatt da mit der heißen Dogma-Nadel reinzustechen.



Diese Selbstkontrolle gelingt mir beim Schreiben dann auch besser.

Außerdem sehe ich kleiner Narzist mich auch einfach ganz gern schreiben...  

5. Du schreibst in vielen Rubriken des Forums und nimmst auch gerne mal an Kontroversen Themen teil, doch die meisten werden dich wohl aus Bereichen wie dem "Star-Wars-Hinterrgund" kennen. Du bist offenbar ein eifriger Konsument von FIlmen, Comis, usw.
Was genau schaust du da? Wie groß ist da der Anteil an Star-Wars-Produkten? Was reizt dich da besonders? Wie definierst du gute Unerhaltung?

Filme haben mich von Kindheit an interessiert. Allerdings habe ich mich nie dazu aufraffen können, dass Risiko einzugehen, mich auch beruflich auf den Kulturkreis „Filmwelt“ mit all seinen Unwegbarkeiten einzulassen. Da hat die Vernunft über die Leidenschaft gesiegt, schätze ich.
Der kritische Umgang mit der Filmwelt ist also faktisch die Kompensation dieses kleinen Kindheitstraumes.

Was Kino-Filme betrifft, schaue ich mir mittlerweile vorzugsweise Produktionen aus dem Hause Disney an:

Meist Pixar/Marvel Studios-Filme und eben auch die Erzeugnisse vom Lucasfilm-Label. Besonders Pixar/Marvel sind dieser Tage sichere Garanten für gute Popcorn-Kino-Unterhaltung, weswegen ich dafür auch gern Geld im Kino lasse. Wobei Pixar natürlich noch etwas emotional forderndere Kost als Marvel bringt, klar!

Natürlich gibt’s auch abseits davon sehenswerte Ausnahmen.

Wenn man nach meinen bevorzugten Regisseuren fragt, deren Filme ich nahezu nur auf Basis deren Teilnahme im Kino sehen würde, wären das James Cameron, Tarsem Singh, Joss Whedon, Luc Besson, Guilhermo del Toro. Und Kathryn Bigelow als Geheimtip.

Ich freue mich schon sehr auf "Valerian und die Stadt der tausend Planeten" und drücke GdT die Daumen, dass er uns zuliebe doch noch sein „Mountain of Madness“-Projekt durchdrücken kann („Damn, Ridley Scott!“).

Ansonsten habe ich seit einiger Zeit sehr Gefallen an TV-Serien gefunden, die ich gewöhnlich als Hintergrund-Bestrahlung während meines Mal-, und Bastelhobbies laufen lasse.
Aber hier nun meine Favoriten (und das wieso dahinter) aufzuzählen, würde wohl den Rahmen sprengen.
(O.K:, ein Tipp: Ginga Eiyuu Densetsu. Das ist zwar ein literarisches Schwergewicht, aber es lohnt sich auf jeden Fall, die mal anzusehen.)

Was Star Wars betrifft:

Wie jeder weiß, verfolge ich aufmerksam SW Rebels und habe, wie jeder andere auch, „The Force Awakens“ und „Rogue One“ gesehen. Alle die Filme lokalitätsbedingt im englischen Original mit holländischen Untertiteln. TFA war sogar einer von zwei Filmen, die ich im Kino ein zweites Mal gesehen hatte, was eine krasse Ausnahme zu meinem normalen Schauverhalten darstellt.
Der einzig andere Film war „KATE WINSLETTS TITS“ Titanic mit 3 Kinobesuchen.



Gute Kinounterhaltung wird natürlich subjektiv empfunden. Über dieses Thema ist es sicher wert, mal andernorts ausführlicher drüber zu diskutieren.

Meiner Meinung nach muss gute Unterhaltung folgendes bieten:

- Aufrichtigkeit
- Spaß
- Innovation
- (emotionale) Einbindung des Zuschauers


Ein gut gemachter Film soll schlichtweg Spaß machen. Wenn ich nach 'ner langen Arbeitswoche ins Kino gehe, will ich aus'nem Film mit zumindest einem erfüllten Lächeln als Ergebnis herauskommen – selbst wenn währenddessen heiße Tränen flossen.

Unter „Aufrichtigkeit“ verstehe ich zum Einen eine emotionale Hingabe der Filmschaffenden, die nicht durch die emotionale Hingabe ihres Schatzmeisters/Produzenten niedergedrückt werden konnte, und dabei doch das liefert, was versprochen wurde. Dabei muss das, was da auf den Film gepresst wurde, auch für den Konsumenten nachvollziehbar im Film zu erfahren sein!
So ein Film wie „300“ oder „Fury Road“ redet nicht nur von „Männlichkeit“, die Bildkomposition, Musik, Schnittechnik, das Drehbuch und die Schauspieler triefen nur so von Testosteron.
Ein Pixarfilm wie „UP“ spricht nicht nur von Trauer und „Loslassen können“, sondern transportiert dieses Messages über das ungesprochene Wort förmlich spürbar für den Zuschauer. Und sowas strahlt dann auch nach.

Womit wir bei „emotionaler Bindung“ wären. Die entsteht gewöhnlich, wenn mir durch die Szene oder das Verhalten des Charakters (das „Wie“) eine Möglichkeit gegeben wird, mich mit diesem oder der Situation, in der er sich befindet, zu assoziieren. Entweder als, zum Beispiel. visuelle Manifestation meiner Tagträume oder eigener Erlebnisse.  Das beinhaltet auch Situationen, die Angst auslösen, oder Charaktere, die man leidenschaftlich hassen lernt (weil sie so gut geschrieben oder gespielt wurden – nicht weil sie Einem einfach auf die Nerven gehen!)
Sowas ins bewegte Bild zu bringen, ist nicht leicht, und wird dieser Tage aus mannigfaltigen Gründen viel zu selten versucht, leider.

Und „Innovation“ erklärt sich faktisch selber. Neues ist eben interessanter als der xte CopyPaste. Wobei das nicht die Kombination altbekannter erzählerischer Elemente ausschließt, solange diese entsprechend interessant miteinander kombiniert und präsentiert werden.
Star Wars war in seiner Konzeption schließlich auch nichts anderes als Pastiche, nur eben auf eine sehr innovative Art neu zusammengerührt worden.  

6. Wie bist Du überhaupt zu X-Wing gekommen? Wie intensiv spielst du jetzt und welcher Aspekt reizt dich am meisten?

X-Wing wurde im hiesigen LGS beworben. Der Inhaber ist ein wahrer Geek und sehr engagiert, eine vernünftige Turnierszene zu unterhalten. Von daher war der Einstieg recht fix gemacht.
Was ich im Gegensatz zu meinen anderen gespielten Systemen an X-Wing gut fand, waren die prepainted/preassembled Modelle und einfach das zeitgleiche Manöverplanen.
Ein  Ansatz, der mich sehr an mein absolutes Lieblingsspiel Crimson Skies erinnerte.

Xwing war aufgrund seines grundsätzlich sehr einfach gehaltenen Regelsatzes und der PrePainted Miniaturen gewissermaßen als „Ausstiegsdroge“ aus dem Tabletop-Genre gedacht. Casual Plug'n Play, sozusagen.

Alas, momentan spiele ich eher seltenst, weil mich selber die Entwicklung im System nicht mehr so wirklich anspricht.

7. Wie findest Du die Umsetzung das Star-Wars-Themas in X-Wing? Was gefällt dir und was gefällt die nicht so? Welche Wünsche hättest du für X-Wing in Zukunft?

:nachdenkenders

Ich bin sicher, dass mir einige sehr leidenschaftlich widersprechen werden, aber persönlich finde ich, dass X-Wing sich (zumindest auf Turnierniveau) nicht mehr wirklich wie ein Teil oder eine Simulation des (originalen) Star Wars erleben läßt.

Das aktuelle Spiel wird beherrscht durch die Suche nach der Top-Karten-Kombo/ Listenkomposition, des Auftrainierens und Runterspielens derselben.
Man bewegt im Grunde nur noch Spielsteine mit Spezialregeln übers Board, mit denen man die gegnerischen, so effizient wie möglich runternehmen will.
Faktisch kann man den Artikel „X-Wing“ mit „TOOLS'n TURRETS - Generic Customizable Starfighter Battles“ ersetzen, und hätte dann ein wesentlich ehrlicheres Produkt vor sich liegen.

Star Wars ist aber für mich mehr als das:

Es geht um den dramatischen Kampf zwischen Gut (dem glorreichen Imperium) und Böse (dem terroristischem Rebellenabschaum), das Duell von Helden in einem blutgetränkten Sternenhimmel.

Packende Raumkämpfe. Heldentaten. Heldentode.

Und genau dieses findet sich für mich nicht im Turnierspiel.  :Stormtrooperem

FFG bietet ja mittlerweile über seine Erweiterungsboxen einen umfassenden Missionskatalog, der genau das ermöglichen soll. Dazu kommen eben noch die sehr stylischen Hauptschiffe, die man auch in cinematischen Missionen spielen kann, und die den Newbs immer wieder ein „Ooooh!“ oder „Aaaah!“ entlocken; nur wird diese Art von Spiel nicht wirklich beworben oder gefördert, was ich aus kaufmännischer Sicht verstehe, aber dennoch sehr, sehr schade finde.

Allenthalben muss man FFG zugute halten, dass es mit dem Riesen-Schiffskatalog aber auch zunehmend das Sortiment Tools erweitert, dass man nutzen kann, um abseits der Turnierszene im privaten Rahmen für sich daraus sein eigenes Spiel schneidern zu können, wenn man will.

Das ist etwas, was mir sehr gefällt!

Wenn man dann noch ein oder ein paar gleichgesinnte Spieler an der Hand hat, um mehr cinematische Missionen spielen zu können, kommt auch tatsächlich wieder die Art klassisches Star Wars Feeling auf, dass ich von dem Spiel beim Eintritt ins System erwartet hatte.

Es ist halt ein bißchen das, was man draus macht...!    

Persönlich hätte ich von FFG gern mehr Zusatzmaterial in Form von echten Kampagnenboxen (mit Modellen für Missionsziele, Raumobjekte, etc), statt die xte Wave Flieger, mit noch mehr Gimmickkarten für die neueste Saisonkombo, die das Franchise gebundene Konsumfeuer weiter am lodern halten soll.

Etwas, dass von der Produktionsseite aus eine neue (oder sagen wir die „klassische“), den Filmen gerechtere Art des Spielens bewirbt – und damit die Art Spielen ermöglicht, wie wir es als Kinder mit den alten KennerParker oder Micro Machine-Sachen gemacht hatten.

Das war bis Wave 3 noch spürbar, ab da ging's dann aber in eine andere Richtung.

8. Welchen Aspekt der Community schätzt du am meisten und auf was kannst du lieber verzichten? Glaubst Du das gewisse Pro und Contras immer zusammengehören?

Ich habe jetzt nicht besonders viel direkten Kontakt mit der Community jenseits des Forums, aber die Leute daraus, mit denen ich mich in der analogen Welt etwas mehr austauschen konnte, waren durchweg nett.

Generell ist der Umgang hier wirklich freundlich, hilfsbereit und produktiv. Vor allem im Regel-, und Listenbereich wird Newbs gut unter die Arme gegriffen. Und die Diskussionen sind nicht über die Gebühr hinaus emotional - vor allen nicht in Hinblick auf das internationale Forum. Das finde ich sehr gut!  

Allenthalben gibt’s dann aber doch mal Ausreißer, vor allem dann, wenn ab und an die Unfehlbarkeit FFGs angezweifelt wird. Mit folgendem „White-Knight“-Alarm inklusive. ;)  

Es ist zwar verständlich, dass man etwas verteidigt, in das man ordentlich Karma (=Liebe und Zeit) investiert; das allein macht das Produkt, vor das man sich schützend stellt, aber nicht automatisch  „perfekt“ oder auch nur „gut“.

Daher würde ich einigen heißblütigeren Teilnehmern empfehlen, eine etwas dickere Haut zu entwickeln, um sich gegen Beiträge zu wappnen, die das Hobby oder die Produktionsfirma nicht konstant in Rosenblüten wickeln, sondern auch mal Mißstände im System aufzeigen.

Ich kann versichern, dass die Kritiker nicht minder Interesse oder Zuneigung dem Hobby gegenüber empfinden, als der etablierte Star Wars Groupie.
Nur vielleicht etwas mehr informierte Sorge, oder zumindest einen distanzierteren Blickwinkel dazu.

Pro und Contras gehören auf jeden Fall zu jeder Diskussion dazu.

Im Idealfall erweitern beide Arten Argumente damit die eigenen Entscheidungsparameter und modifizieren so die anfängliche Sichtweise derart, dass sich der eigene Handlungspielraum erweitert.

Und das ist doch der eigentliche Sinn einer Unterhaltung, oder...?        
 
9. Wie gehst Du mit unangenehmen Spielern um? Also was machst du wenn Du mit jemanden spielen "musst" der sich z.B. exzessiv über Würfel beschwert, bist du vieleicht einfach selbst so jemand   ? Was verstehst du unter Fly Casual?

Ich glaube, viele von uns gehören zu den Leuten, die sich über ihr Würfelpech beschweren und vor sich hin lamentieren. Die einen mehr, die anderen weniger. Das finde ich nicht schlimm. 's gehört einfach dazu.  

Meinem Geschmack nach betritt man erst eine Grauzone, wenn man den Gegner für die Pechsträhne oder mangelnde Potenz der eigenen Schiffchen verantwortlich macht und dann gegen diesen emotional wird.

Was mir in Turnieren aufgefallen war, ist, dass man dort grundsätzlich auf ein oder zwei Spieler traf, die der Meinung waren, sie hätten aufgrund ihrer Liste, Investitionen oder ihres Rufs einen Anspruch auf den Sieg, wenn nicht sogar auf die Trophäe. „Entitlement“ heißt das auf English, denke ich.
Das waren dann auch die Spieler, die am unangenehmsten zu Bespielen waren; denn sobald sich die Würfel gegen sie drehten, oder man selber einfach besser war als erwartet, da ging dann der „Whine“ los.
Meine absolute Krönung im entarteten Spiel hatte ich dann in einem Partybus/Dengar-Spieler, der mich dann, als seine Würfel zeitweilig einknickten, mit meinen Pappcountern bewarf (und letztlich doch noch gewann).
Solche Spieler interessiert es auch nicht wirklich, ein gutes Spiel zu haben; denen ist einfach nur ein weiterer Zähler auf dem Turnierkonto wichtig. Und der aktuelle Gegner diesbezüglich nur ein designiertes willfähriges Mittel zum Zweck.

Das ist dann ein bißchen wie „Hand inner Hose“:

Macht nur einem selber Spaß, der Glücksmoment ist von kurzer Dauer, 's hinterläßt aber 'ne kleine Sauerei.  

 

Persönlich kenne ich den Effekt auf mich selber, mit selbst gesteckten (teils unrealistischen) Anforderungen an ein Turnier zu gehen.

Man hat Geld investiert, trainiert, Listen und Taktiken studiert und Preise ausgelotet; und nu' MUSS die Sache aber klappen. Heidewitzka! Und das dann über mehrere Runden lang. Der Gegner ist aus dieser Perspektive heraus„nebensächlich“.

Was mir geholfen hat, mit der eigenen Erwartungshaltung umzugehen, war schlichtweg, Keine zu haben! und einfach zu schauen, wie weit man kommt.  

Und was den Umgang mit schwierigen Spielern angeht: Freundlich bleiben, sich auf sich selbst konzentrieren und im Kopf eine Grenze setzen, ab wann's genug ist und man dann den Judge an den Tisch holt.
Dazu dann den Fokus meines Turnier-Erlebens auf die Spiele mit den angenehmen Spielern richten, anstatt auf den einen Soziopathen, der's nicht lassen konnte. Das half enorm!

Unter Fly Casual verstehe ich „Hart aber herzlich.“:  

Während sich die Spielfiguren auf dem Board mit allen Tricks des Spiels ans Messer liefern, um den Sieg für sich zu holen, ist es Aufgabe der Spieler AM Tisch sich gegenüber eine angenehme Spielatmosphäre zu erhalten. Beider Spieler, wohlgemerkt!
Persönlich habe ich gute (passiv wie aktiv) Erfahrungen damit gemacht, das Beide auf die richtige Durchführung der Sequenzen beider Seiten achten, anstatt drauf zu geiern, dass dem Anderen ein Formfehler unterläuft, denn man dann für sich ausnutzen kann.
Kommunikation ist wichtig. Das Beseitigen von Missverständnissen ist wichtig. Und auch das Vorbeugen von Situationen, die Gefälligkeiten nötig machen.
Faktisch muss beiderseits dafür gesorgt werden, dass so wenig wie möglich Stress aufgebaut wird, oder sich eine der beiden Parteien übervorteilt vorkommt.
Freundlich sein hilft immer, selbst, wenn's zu Konfliktsituationen kommt. Devot oder aggressiv sein hilft aber keinem.  

10. Was war dein bisher größter Erfolg bei X-Wing? Ist das für dich überhaupt von Interesse? Was war außerdem eine richtig coole Sache die du erlebt hast in dem Hobby?

Mein größter Erfolg war der Sieg im letztjährigen Winter-Championship, bei dem ich mir die DiscoVader-Karte holen konnte; dies mit einer Vader-Colzet-Redline-Liste.

Das war mein erster und einziger Turniersieg überhaupt - vorher tummelte ich mich immer auf den ersten vier Plätzen und sehr oft gegen eine Sasionliste auf Platz zwei rum. Dieser erste Platz war dann auch eine kleine Genugtuung für den sehr unangenehmen Zweiten im vorhergegangenen Turnier.

Nach dem Sieg, noch dazu mit einer eher ungewöhnlicheren Liste, war mein persönliches „Karriereziel“ erreicht, und eine hohe Platzierung in Folgeturnieren nur noch Zuckerguß, wenn sie denn mal eintrat...

11. In welchen Bereichen engagierst Du dich für X-Wing? Würdest Du vielleicht sogar noch lieber mehr machen?

Meine aktiven Spielerlebnisse dieser Tage beschränken sich auf Tutorial-Minikampagnen, wenn ich mal ein williges Opfer finde, dem ich das Spiel unterschieben kann.

Ich hatte vor einer Weile eine verzweigte, nicht lineare Verlaufskampagne geschrieben, die ich beizeiten noch einmal modifizieren und um Cinematische/Epic-Missionen mit Hauptschiffen erweitern wollte, aber das ist dieser Tage (auch mangels Resonanz) eher ein Schubladenprojekt.

Infinity und Gunpla(Gundam)-Basteln haben sich da eher in den Vordergrund gerückt. Der emotionale Benefit ist hier momentan höher.  

12. Woher nimmst Du Informationen zum Spiel? Liest du Taktikartikel im Forum, Podcast oder schaust du auch YouTube Spielberichte? Was von all dem findest Du gut und warum?

Da ich meinen Abschied aus der Turnierszene genommen habe, interessieren mich Taktikartikel nur noch peripher. Vorher hatte ich mir sehr häufig Beiträge aus dem internationalen Forum der User "Heychadwick" und "Babaganoosh" durchgelesen und ab und an Youtube Spielberichte angesehen.

Thrawns Berichte hier, oder die sehr unterhaltsamen amerikanischen Worlds-Reports waren da meine persönlichen Favoriten.

Dieser Tage fliegt man mal über einen taktischen Report drüber und denkt sich, „Ah, das neue Saison-Gimmick!“, schickt die Info dann schnell in die Erinnerungs-Grube und spielt dann privat einfach nur das, worauf man Lust hat.    

Allenthalben lese ich immer noch sehr gerne die FFG-Release-Splash-Pages.  

Einfach, um zu sehen, was es so Neues gibt, und ob nun endlich ein schickes Kampagnen-Pack und der diese Edition ganz sicher abschließende X-Wing-Patch kommt.

Irgendwann bestimmt, auf jeden Fall...!    

13. Mit wem spielst Du am häufigsten zusammen und warum?

Mit einem hiesigen Kumpel, den ich über mein erstes X-Wing-Turnier getroffen habe. Wir beide haben eine deckungsgleiche Anforderung an ein von uns subjektiv als gut empfundenes Spiel:

(Dazu muss ich wieder etwas ausholen. Achtung!)

Als Kinder traf man sich zum Spielen, weil man grad' ein cooles Spiel an der Hand hatte und mit seinen Kumpels eben ein Spielerlebnis, ein simuliertes Abenteuer auf dem Brett haben wollte.

Das machte mir so sehr Spaß, dass ich das Brett-Spielen nun als Freizeitbeschäftigung bis ins Erwachsenenalter aufrecht erhalten habe.

Dieser Gesichtspunkt ging unter dem Einfluß von Tabletopspielen verloren, weil diese einen sehr hohen Wartungsbedarf haben:

Ein komplexes Regelwerk, das gelesen, verstanden und trainiert werden will, samt Spezialregelkatalog/Kartenkombos der eigenen Armee und (am besten noch) der des Gegners, plus dazu noch immer wiederkehrende FAQs.
Dann Miniaturen, die man durch Kleben/Feilen/Bemalen selber präparieren muss und Gelände, was gebaut werden will.
Editionswechsel, oder immer neue Modelle, die es zu kaufen und preppen gilt. Das ist sehr arbeitsintensiv.

Der eigentliche Grund des Spiels, neben dem Kräftemessen auch Realitätsflucht und das Erleben einer Geschichte miteinander – selbst als Gegner – geht unter dem Anforderungsdruck von Tabletop-Spielen oder Tabletopartigen Spielen früher oder später verloren.

Interessanterweise begann X-WING seine Karriere in den ersten Erweiterungen als ein Gelegenheitsbrettspiel, hat sich aber nun von seinen regeltechnischen Anforderungen her zu einem waschechten TT-Spiel entwickelt. Mit nur optionalen Hobbyteil, aber dennoch.

Genau diese Erkenntnis führte uns beide dazu, der Turnierszene den Rücken zu kehren; eben, weil X-Wing, von einer anfänglich ungezwungenen Übung zu einem leistungsoptimierten Produkt wurde, ohne das original cinematische Flair wahren. Auch wurde die Atmosphäre selber durch die leistungsorientierten Spieler hier vor Ort immer aggressiver.

Im privaten Kreis nun kann man sich selbst spieleerelevante Bedingungen und Einschränkungen schaffen, um dessen Parameter seinen eigenen Anforderungen anzupassen. Cinematische Missionen mit ungezwungenen cinematischen Kombos sind nun möglich, ebenso wie Epic.

Dazu dann ein Täßchen Tee und ein entspannter Schwatz im Verlauf, da's keine Deathclock gibt. Wir ham's nich' eilich...

Totally Chill....!  

14. Welche Listen spielst du gerne? Gibt es Listen gegen die du nicht gerne antrittst?

Ich spiele eigentlich nur Imperiale Listen mit 3-4 hochmanövrierbaren Schiffen. Momentan sind's Triple Defender (Vessery/D und zwei Onyx/x7-Defender). Das aktive Fliegen und Ausmanövrieren macht mir eben am meisten Spaß.

Was ich persönlich sehr traurig finde, sind zum Einen Turret-lastige Listen. Die Regeln von Turrets sind so ziemlich der „Brokenste“ Teil im Spiel und - so, wie sie sind - hätten nie eingeführt werden dürfen. Nicht weil ich sie für kategorisch overpowert halte, sondern, weil sie ein meiner Meinung nach grundlegendes Spielprinzip, das Manövrieren entwerten, und damit nur dem Gegenspieler die Herausforderung aufdrücken. Solcher Art Spielmechanik halte ich in jedem Spiel einfach als für wenig spannend, mit und gegenan zu spielen.

Dann sind da zum Anderen noch Gimmick-Spam-Listen, wie Dengaroo, die den Gegner einfach durch die Last ihrer Spezialregeln niederdrücken. Oder eine Kombo aus beidem.

Leider gehören die mittlerweile zum guten Ton in der Szene, zumindest im Turnierfeld.

Aber das liegt in FFGs Verantwortung, nicht der der Spieler..

15. Wie findet deine Familie dein Hobby? Ist es akzeptiert oder musst du sogar irgendwas heimlich machen?  



Nein, Hobbies sind Teil des Charakters, und den akzeptiert man immer als Ganzes, wenn man sich auf den Partner einlässt.

Allerdings steht meine Frau eher auf klassische Kartenspiele, wie Rommy oder Texas Hold'em, oder Marathonsitzungen mit Angry Bird, und fühlt sich durch die Komplexität von TTGs eher überfordert, sodass wir zumindest diese, meine Leidenschaft, nicht teilen können.

Aber immerhin ist mir eine ManCave zugestanden worden, in der ich dann mit meinen Spielkameraden meine kleinen Tagträume ausleben darf...!

16. Wenn du 3 Wünsche einer guten Fee frei hättest, was würdest du dir Wünschen?

Einen unbegrenzten Zugriff auf funktionierende Zellaktivatoren, eine Zeitmaschine und eine unendliche Ressource universell einsetzbarer hochwertiger Zahlungsmittel.

17. Hast Du irgendeine Frage an deinen Fragesteller?

Noch wach...?  
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Re: Pilot im Fokus #12

Beitrag  Necro_Man_Ser am Fr 20 Jan 2017, 13:39

Ich bin auch der Ansicht, dass es leichter sein kann, über ein Forum Themen anzusprechen. Aber ich habe absolut das Gefühl, dass grade wenn man verschiedener Meinung ist, ein Forum dazu verleitet, angenervt und respektlos zu reagieren. Das passiert so schnell im persönlichen Umgang nicht, weil mehr Information des Gegenübers zur Verfügung steht, weil man direkt haftbar und verantwortlich ist, in Person. Persönliche Gespräche geben einem die Möglichkeit, den anderen gern haben zu können - das passiert sehr langsam bis gar nicht ausschließlich über ein Forum, zumindest meiner Erfahrung nach.

Ich merke wie es mich in letzter Zeit wieder nach draußen zieht, einfach weil man persönlich so viel mehr return hat für die Energie die man reinsteckt. Hoffe das war nicht zu OT, falls jemand mit mir darüber quatschen möchte vl. am besten wo anders oder per PN :)
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Re: Pilot im Fokus #12

Beitrag  Sarge am Sa 21 Jan 2017, 14:53

Sehr schön!
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http://www.moseisleyraumhafen.de/

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Re: Pilot im Fokus #12

Beitrag  Yosha am Sa 21 Jan 2017, 21:35

Schön zu lesen!

Full ack zu 7 & 9
Vor allem die Vielzahl der Spiele mit immer gleichen Listen -

_________________

„Größe nicht alles ist. Die kleinere Truppe wir sind, dafür größer im Geist.“
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Yosha
Kriegsheld des MER


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